An einem warmen Sommerabend machte ich mich auf den Weg zum Schuttberg in Fröttmaning (München) um im Licht des Sonnenuntergangs ein paar Fotos zu schießen. Lohnenswerte Motive sind hier vor allem die Allianzarena und das Windrad. Aufgrund der Lichtverhältnisse war ich mit Stativ unterwegs. nach ca. 1 Stunde fotografieren passierte es dann, und bei einem Griff nach meinem Rucksack blieb ich am Stativ hängen, und riss es um. Bei meinem Glück viel es mit dem Objektiv genau auf einen ca. 20 cm erhöhten Metalldeckel (die Wiese hat ansonsten kaum solche Hindernisse). Der erste Schock war groß, und der Blick aufs Objektiv machte mir nicht viel Hoffnung, wenigstens der Body sah unbeschädigt aus, was er zum Glück auch war. Das Objektiv ließ sich nur sehr schwer drehen, und machte dabei ein kratzendes Geräusch.
Ein paar Tage später ließ ich das Objektiv beim Fotohändler meines Vertrauens begutachten. 100-200€ könnte die Reparatur kosten – bei einem Neupreis von 230€ kaum sinnvoll. Mein nächster Gedanke war es zu verkaufen, den verwarf ich aber wieder schnell. Wer will schon ein 230€ Objektiv, das er für bis zu 200€ erst wieder reparieren muss?
Ein bekannter der sich viel mit Fotografie beschäftigt gab mir dann folgenden Rat: “Schraub es auf, nimm es vorsichtig auseinander und behalte interessante Teile, da lernt man einiges darüber wie so ein Objektiv funktioniert. Davon hast du mehr, als wenn du es verkaufst oder reparieren lässt!” Das schien schließlich auch mir am sinnvollsten und so setzte ich mich vor ein paar Tagen an den Schreibtisch und legte los. Zu meiner Überraschung ließ sich das Objektiv schon nach dem entfernen des Verbindungsstücks zum Body wieder normal drehen. Nach weiterem zerlegen bemerkte ich eine verbogenen Schleifkontaktplatte. Die wollte ich zunächst wieder geradebiegen, was mir aber nicht gelang, also kam sie ganz raus. Außerdem entdeckte ich ein abgerissenes Kabel (Ich kann allerdings nicht sagen ob die beiden durch den Unfall, oder erst beim zerlegen kaputt gegangen sind). Nun hat mich brennend interessiert, welchen Einfluss diese beiden Teile haben bzw. das Fehlen der Teile. Also baute ich das Objektiv wieder zusammen – was wie so oft deutlich komplizierter ist als das auseinanderbauen. Letztendlich gelang es mir aber.
Recht schnell stellte sich heraus was funktioniert und was nicht. Mit manuellen Fokus konnte ich keine Probleme feststellen, allenfalls das “Getriebe” des Autofokus hört man, der Widerstand des Motors ist aber weg.
Mit Autofokus: Der funktioniert leider nicht mehr wirklich… Ist der “Schärfering” komplett eingefahren funktioniert der Autofokus, aber sehr langsam. Das geht aber auch nur so lange, wie das nächste Motiv näher liegt, als das davor – dann muss der Ring wieder per Hand zurückgedreht werden. Der Motor arbeitet zwar noch in beide Richtungen, das hört man, jedoch greift das Getriebe nur in eine Richtung. Fotografieren mit Autofokus hat sich also erledigt. Zum Stabilisator kann ich leider nichts sagen, da kenne ich mich zu wenig aus.
Fazit: Ich hatte zu Beginn überhaupt keine Erwartung mehr an das Objektiv und wollte es nur auseinander nehmen um das Innenleben zu sehen. Um es zu reparieren hätte ich mich nicht selbst daran gewagt! Ich bin völlig überrascht und begeistert vom Ergebnis und kann es nun wieder normal verwenden, wenn auch ohne Autofokus. ;-) Nur doof dass ich die Gegenlichtblende inzwischen verkauft habe…
Wenn ihr also mal so einen hoffnungslosen Fall habt, dann schraubt es auf. Egal was am Ende dabei raus kommt!





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